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11. August 2007, Ruhetag in Ölgy





 

Interview mit dem Führenden der Gesamtwertung und früheren Rallye-Europameister Armin Schwarz

Wie haben Sie geschlafen heute Nacht?

Armin Schwarz: Gut. Sehr gut.

Wann haben Sie zuletzt gezeltet?

Armin Schwarz: Ich glaube, das war auf meiner Schulabschlussparty. Das ist schon lange her. Aber das Zelten macht mir nichts aus.

Viele Fahrer sind das Campen, das Leben unter einfachsten Bedingungen nicht gewohnt. Welche Rolle wird diese besondere Belastung in den kommenden Tagen spielen?

Armin Schwarz: Wir gehen hier nicht an die körperlichen Grenzen, für den ich einen Top-Schlaf von acht, neun Stunden brauche. Ich glaube nicht, dass eine derartig hohe sportliche Beanspruchung entsteht.

Russland liegt hinter Ihnen. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Armin Schwarz: Was mir gut gefallen hat, waren die ersten beiden Sonderprüfungen. Man konnte sein Auto ausprobieren. Nach meinem Geschmack hätten wir ruhig jeden Tag eine Prüfung fahren können, aber dann wären die Tage in Russland sehr lang geworden. Bis zu 16 Stunden. Zwei Drittel der Leute haben solche Strecken noch nie gefahren, deshalb musste der Veranstalter ein anderes Maß anlegen, damit nicht alle schon müde in der Mongolei ankommen.

Welchen Faktoren werden in den kommenden Tagen entscheidend sein?

Armin Schwarz: Ich denke, dass die Reifenfrage interessant ist. Wir werden versuchen müssen, um platte Reifen herumzukommen. Das ist gar nicht so einfach, selbst wenn man langsam fährt. Die Steine sind alle sehr scharfkantig. Wenn man einen Stein einmal schief anfährt, ist gleich die Flanke kaputt. Es wird entscheidend sein, wer wie oft wechseln muss und wer am Ende noch genügend Reserveräder hat. Das wird ein Faktor sein.

Wie stellt man sich als Fahrer am besten auf diese Situation ein?

Armin Schwarz: Da gibt es kein Patentrezept. Wichtig ist, dass man das Rad immer am Rollen hält. Man bremst niemals mit einer Vollbremsung. Wenn es möglich ist, überfährt man den Stein gerade. Niemals mit der Kante dagegen fahren. Aber auch das lässt sich schwer sagen. Hier wechselt das Terrain häufig. Mal ist es sehr sandig, und dann fährt man über einen Pass und schon geht das Geröll los. Mal muss man schnell fahren, dann wieder sehr defensiv. Diesen Spagat muss man schaffen.

Was ist die besondere Herausforderung in der Mongolei?

Armin Schwarz: Landschaftlich ist eine gewisse Ablenkung geboten. Da schaut man schnell mal in die Berge und nicht auf den Weg und schon ist es passiert. Man muss die Augen auf die Strecke richten, muss sich konzentrieren.

Welche Veränderungen werden Sie heute noch am Wagen vornehmen?

Armin Schwarz: Keine besonderen Veränderungen. Ich werde vor allem prüfen, ob alles fest ist. Werde alles sauber verstauen und festzurren. Im Off-Road muss immer alles fest sein. Wenn man nach einigen Kilometern feststellt, dass die Reservekanister locker sind, muss man aussteigen. Und das kostet Zeit.



11. August 2007, Ruhetag in Ölgy





 

Keine Ruhe am Ruhetag – Transsyberia-Teams diskutieren Reifenfrage

Mit krummem Rücken beugt sich Rallye-Legende Rod Millen vor dem Service-Truck über einen Reifen. Mit beiden Händen dreht er den Reifen und sucht ihn sorgfältig ab. „Ich versuche von den Problemen der anderen Fahrern zu lernen und studiere das Profil“, sagt der Amerikaner. Die Stollen sind verziert mit tiefen Kerben. „Scharfkantige Steine“, erklärt Rod. „Darauf muss man in der Mongolei sehr aufpassen.“

Die Kerben im Profil sind gestern entstanden, auf der Strecke hinter der Grenze. Nur 70 Kilometer maß das Teilstück. Lang genug jedoch, um einigen Reifen der Porsche Cayenne Transsyberias das Garaus zu machen. „In Russland hatten wir überhaupt keine Probleme, gestern mussten wir gleich zwei Reifen wechseln“, sagt Pilot Thomas Riethmüller. Das gleiche Schicksal traf das Team Italy 2. „Ein Reifen ist geplatzt, der andere wurde an der Seite aufgeschlitzt“, sagt Pilot Biagio Capolupo, der eigentlich als Porsche-Manager in Mailand arbeitet. „Wir wissen nicht, woran es gelegen hat.“

„Das passiert, wenn man zu scharf bremst, die Räder blockieren, und man dann auf einen scharfen Stein fährt“, erklärt Porsche Team-Chef Jürgen Kern und nennt Fahrfehler als Hauptgrund für die gestrigen Ausfälle. „Ich sehe keine Probleme. Das Reifenthema wird im Fahrerlager hochgespielt“, sagt er.

Tatsächlich sind die gestrigen Pannen unter den Fahrern das Gesprächsthema Nummer 1 am Ruhetag. „Es wird das Team gewinnen, das am materialschonendsten fährt“, ist sich Thomas Riethmüller sicher. „Gewinnen wird, wer am aufmerksamsten fährt“, meint der junge Matt Garnham, der mit seinem Vater im Toyota Landcruiser die Transsyberia Rallye mitfährt. Gesprächsthema Nummer 2 heißt „Navigation“. Auf der Kühlerhaube eines Cayenne liegt einige riesige Landkarte. Eine Karte der russischen Armee mit allen Details. Mehrere Fahrer beugen sich über die Karte und diskutieren eifrig. Jeder zeigt mit dem Zeigefinger den anderen seine Optimalroute. „Unser großes Problem ist die Navigation“, sagt Oliver Hille, Pilot des Teams Germany 2. „Wir haben keine Erfahrung mit dem GPS-System, benutzen das fast nie.“ Seine Hoffnung liegt auf dem Roadbook, das die Strecke grob ausweist.

Über Reifenprobleme oder Navigation machen sich die derzeitig Zweiplatzierten Jarek Sliwka und Andrzej Bryl am Ruhetag keine Gedanken. Während viele Fahrzeuge aufgebockt in der Mittagshitze stehen, macht das polnische Team keine Anstalten, als wolle es heute noch am Wagen arbeiten. „Wir sind zwei Amateure und jetzt, nach den ersten beiden Wertungsprüfung, stehen wir unerwartet auf dem zweiten Platz. Wir sind einfach sehr glücklich“, sagt Jarek Sliwka. Vorbereitet haben sich die Polen in den Masuren und im australischen Outback. Doch den Hauptgrund für ihren aktuellen Erfolg, sehen sie woanders. „Wir fahren mit Gefühl und Seele. Unsere Stärke kommt von innen.“



11. August 2007, Ruhetag Camp Ölgy


„Zermürbend muss es sein“ – Organisator Richard Schalber zieht Halbzeitbilanz und blickt voraus

Richard Schalber, Organisator der Transsyberia Rallye 2007, hat eine positive Halbzeitbilanz gezogen. Am Ruhetag im Fahrercamp nahe der mongolischen Ortschaft Ölgy sagte Schalber: „Ich bin zufrieden und stolz, dass ich es trotz erheblicher Probleme geschafft habe, vom Roten Platz in Moskau aus eine Rallye durch Russland zu organisieren.“ Nach 4.549 Kilometer auf russischen Straßen hatte das komplette Fahrerfeld am Freitagabend die Mongolei erreicht.

Morgen Früh gehen die 33 Teams auf die neunte Etappe, die durch den mongolischen Teil des Altaigebirges führt. „Jetzt werden die Karte neu gemischt“, sagte der frühere Enduro-Weltmeister Schalber. „Ob Camp, ob Piste, ob Navigation: Die Bedingungen werden in den nächsten Tag extrem sein. Es war mein Ziel, die schwerste Rallye für seriennahe Fahrzeuge und Amateursportler zu gestalten.“

Während der sechs Etappen in der Mongolei übernachten die Teilnehmer der Rallye in Zelten. Für Verpflegung sorgt ein Cateringservice, der mit den Teams durch das Land reist. Sanitäre Anlagen stehen nicht zur Verfügung. „Ich habe vorher ausdrücklich erklärt: Ich will ‚Back to the roots‘, so wie es früher bei der Paris-Dakar war. Das einfache Leben Camp ist Teil der Herausforderung“, sagte Schalber, der 1985 erstmals an der Rallye Paris-Dakar teilnahm.

Am kommenden Freitag sollen die Teams in der mongolischen Hauptstadt Ulan-Baatar eintreffen. „Bis dahin muss es zermürbend sein. Dann werden am Ende alle stolz auf sich sein, die Herausforderung „Transsyberia“ bestanden zu haben“, sagte Schalber. Das Wichtigste sei für ihn jedoch, „dass alle Fahrer und Autos gesund und heil im Ziel ankommen.“






11. August 2007 Ruhetag


Ruhetag im Fahrerlager

Der heutige Tag steht den Fahrern und Service-Teams der Transsyberia Rallye 2007 zur freien Verfügung. Die meisten Teams werden den Ruhetag nutzen, um ihre Fahrzeuge auf die extremen Bedingungen des mongolischen Altaigebirges einzustellen. Erst morgen geht es auf der 9. Etappe wieder um Wertungspunkte. Nach mehreren Überführungsetappen ohne Sonderprüfung müssen die Porsche-Piloten Armin Schwarz und Oliver Hilger ihre Führung verteidigen.